Pulsdiagnose nach TCM | Montags-Post #24

Nov 9, 2020

Ni Hao und Guten Morgen – Herzlich Willkommen zur Montags Post #24!

Heute möchte ich Euch über eine andere Untersuchungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin erzählen : der Pulsdiagnose. Zusammen mit der Zungendiagnose, der körperlichen Untersuchung und der ausführlichen Vorgeschichte des Patienten, ergibt sie ein Gesamtbild des Patienten, welches die Grundlage jeder Therapie bildet.

Im Vergleich zur westlichen Medizin geht es aber um weitaus mehr als die Frequenz und den Rhythmus unseres Herzschlages. 

30 unterschiedliche Pulsarten

Heutzutage unterscheidet man rund 30 verschiedene Pulse, die in unterschiedliche Gruppen (je nach Literatur kann das variieren) eingeteilt werden.

Wo und wie wird er getastet?

Pulsdiagnose
Die Hand ruht auf einem Kissen – 3 Finger fühlen

Mit jeweils 3 Fingern wird der Puls am rechten und linken Handgelenk in verschiedenen Tiefen getastet. Es werden dabei unterschiedliche Drücke verwendet, die den entsprechenden Strukturen zugeordnet werden. So tastet man mit leichtem Druck nur die Haut , etwas tiefer die Muskulatur und mit starkem Fingerdruck spürt man die Knochen und Sehnen. Es ergeben sich so aus jeweils 3 Positionen und 3 Ebenen insgesamt 9 verschiedene Zustände. Die unterschiedlichen Stellen repräsentieren dabei alle Meridiane und die dazugehörigen Organe.

Was kann man spüren?

Grundlage ist die Annahme, dass ein gesunder Puls 3 Kennzeichen aufweist. Ganz oberflächlich liegt der Shen-Puls. Unter Shen verstehen wir die geistige Aktivität und Vitalität, was auch in dieser Position beurteilt wird. Er entspricht dem oberen Teil des Körpers. Bei einem gesunden Menschen fühlt er sich harmonisch, mild und elastisch an.

Die mittlere Pulsenergie stammt aus dem Magen und repräsentiert den mittleren Teil des Körpers. Sie wird auch Wei-Qi genannt, gibt Auskunft über die Magenenergie und steht für die normale Pulsenergie eines gesunden Menschen.

In tiefer Ebene liegt der Gen-Puls. Gen – die Wurzel repräsentiert den unteren Körperteil. Ein in der Tiefe gut zu tastender Puls ist prognostisch günstig. Was erklärt, warum ein schwer zu tastender tiefer Puls als ungünstiges Krankheitszeichen gewertet wird.

Wie unterscheidet man die Tastbefunde?

  1. oberflächliche Pulse
    Dieser Puls lässt sich mit sanftem Druck tasten. Ist der Druck zu stark, spürt man ihn nicht mehr. Bei Auffälligkeiten denkt man dann zunächst an äußere Faktoren, wie beispielsweise Wind. Sicher hast Du schon einmal einen beschleunigten Puls bemerkt, wenn Du einen Infekt hattest. Dieser ist nach TCM den Winderkrankungen zuzuordnen.
  2. tiefe Pulse
    Oberflächlich ist er nicht zu tasten, man drückt zum Erspüren mit starkem Druck die Arterie gegen den Knochen. Veränderungen lassen uns an eine Disharmonie eines inneren Musters denken.
  3. verlangsamte Pulse
    Bei einer Frequenz von weniger als 4 Schlägen pro Atemzug (zwischen 40 und 60 Schlägen/Minute) spricht man von dieser Pulsqualität. Meist entsteht dieser durch das Eindringen von Kälte.
  4. beschleunigte Pulse
    Der beschleunigte Puls ist durch eine Frequenz von mehr als 90 Schlägen pro Minute (mehr als 5 Schläge pro Atemzug) gekennzeichnet.
    Er deutet nicht nur auf eine Hitzeerscheinung hin, sondern gibt auch Auskunft über das Temperament .
  5. schwache Pulse
    Bei leichtem Druck fühlt sich diese Qualität schwach und leer an. Er deutet auf einen Mangel, Schwäche oder Leere hin, insbesondere des Qi oder des Blutes.
  6. volle Pulse
    Sie stehen für einen Füllezustand, fühlen sich voll an und lassen sich kaum wegdrücken.
  7. unregelmäßige Pulse
    Sie werden durch in unregelmäßig auftretende Aussetzer beschrieben, sind ein Hinweis für Schleim und gehören zwingend kardiologisch abgeklärt.

Die verschiedenen Pulse werden jeweils noch in viele extra Qualitäten unterschieden und können natürlich auch in Kombination auftreten. Oft sind dann mehrere krankmachende Faktoren zu finden.

Wie Du liest, ist die Pulsdiagnose sehr umfangreich. Deshalb erfordert sie etwas Zeit, Konzentration und ein gutes Gespür.

Die Pulsdiagnose ist eine faszinierende Methode und ich hoffe, dass ich Dir einige interessante Informationen in der heutigen Montags-Post geben konnte. In der Montags-Post #25 verlassen wir die TCM und werden über ein Thema aus der Ästhetik schreiben: das Fadenlifting.

Interessierst Du Dich für ein Thema über das wir noch nicht geschrieben haben und über das Du etwas erfahren möchtest? Lass es uns wissen!

Bis bald zur nächsten Montags-Post (oder schon eher in unserer Praxis) –

Eure Praxis Punktuell

Susann Baum

Susann Baum

Heilpraktikerin | TCM-Therapeutin | Physiotherapeutin

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