Schröpfen – eine uralte Methode Montags-Post #18

Sep 28, 2020

Das Schröpfen ist eine sehr alte Technik, die nicht nur in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Anwendung findet. In der sogenannten „Volksmedizin“ findet das Schröpfen seinen Ursprung und kann mit Erkenntnissen östlicher und westlicher Medizin kombiniert und angewendet werden.

In der heutigen Montags-Post #18 stelle ich Dir diese wunderbare Behandlungsmöglichkeit vor.

Wie funktioniert das Schröpfen?

Durch ein erzeugtes Vakuum in einem Gefäß (z.B. Glas), wird ein gezielter Unterdruck auf ein Hautareal gesetzt. Das Vakuum kann mit Feuer oder durch eine Pumpe erzeugt werden. Warum die Erzeugung eines Unterdrucks mit Feuer eine bessere Wirkung hat, erkläre ich Dir später.

Schröpfen aus westlicher Sicht

Interessant ist zunächst, dass die Wirkung des Schröpfens bisher nicht naturwissenschaftlich nachgewiesen und durch Studien belegt wurde. Dennoch findet diese Technik Anwendung in unterschiedlichen medizinischen Behandlungsbereichen z.B. in der Physiotherapie.

Dermatome sind Verbindungen zu festgelegten Zonen

Versuchen wir also mal gemeinsam zu beobachten, was beim Schröpfen aus westlicher Sicht passiert. Hattest Du schon mal einen Knutschfleck? Das ist im Prinzip nichts anderes als Schröpfen.

Der erzeugte Unterdruck zieht vermehrt Blut in das Gewebe. Der Bereich verfärbt sich rot. Diese Rötung ist ein Zeichen für eine Mehrdurchblutung. Genau dieser Effekt tritt ebenfalls bei einer Massage durch die manuelle Druck- und Zugwirkung auf.

Durch die gesteigerte Durchblutung wird der Stoffwechsel in diesem Gebiet angeregt. Das ist z.B. durch eine Entspannung der Muskulatur zu spüren und einer damit verbundenen Schmerzregulation.

Werden die Headschen Zonen geschröpft, können auch Organe beeinflusst. Head-Zonen wurden durch den englischen Neurologen Sir Henry Head entdeckt und benannt.

Schröpfen aus östlicher Sicht

Das Konzept des Qis hast Du in der Montags-Post #12 kennengelernt. Wie du weißt, werden die Leit- bzw. Energiebahnen mit Energie versorgt. Dieser Fluss kann stagnieren (sich stauen) oder auch zu schwach sein. Durch die Akupunktur haben wir Kenntnisse über diese Bahnen und Punkte, sowie über deren Wirkung / Einfluss auf den Körper. Verbinden wir nun diese Erkenntnisse mit dem Schröpfen, eröffnet sich eine neue Behandlungsperspektive. Das Schröpfen kann dann nicht nur muskelentspannend wirken, sondern erweitert angewendet werden bei :

Alanna Ralph from Philadelphia, PA, USA, Fire Cupping, CC BY 2.0
  • bei Erkältungsinfekten / Infektneigungen (insbesondere bei Kindern)
  • Fieber
  • Atembeschwerden
  • Asthma
  • Bluthochdruck
  • Verdauungsstörungen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Arthrose Kniegelenksarthrose, Hüftgelenksarthrose
  • Schulter-Arm-Syndrom
  • Hexenschuss, LWS-Beschwerden
  • Schiefhals (Torticollis)
  • Tennisellenbogen (Epicondylitis)


Das Schröpfen zählt aus Sicht der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) auch zu den ausleitenden Verfahren. Ein zu viel an Spannung (Fülle) und pathogene Faktoren können ab- und ausgeleitet werden, wie z.B. Kälte. Ich habe Dir vorhin schon verraten, dass das „klassische“ Schröpfen mit Feuer aus Sicht der TCM effektiver ist. Denn Feuer vernichtet den klimatischen Faktor Kälte. Somit ist auch gut zu verstehen, warum das Schröpfen beispielsweise bei Erkältungen gut funktioniert.

Arten des Schröpfen

  • trockenes Schröpfen

Hierbei werden die Gläser einfach aufgesetzt und verweilen dort.

  • blutiges Schröpfen

Die Haut wird mit einer Lanzette angeritzt und der Schröpfkopf zieht das Blut heraus. Das ist besonders bei akuten Beschwerden sinnvoll. Hier ist die Hygiene absolut wichtig, da sich die Wunde infizieren kann! Auch sollte der Therapeut wissen, wann und wo blutiges Schröpfen sinnvoll ist und wann es nicht gemacht werden darf! Des Weiteren ist es in Deutschland ausschließlich Ärzten und Heilpraktikern (auch keine sektoraler Heilpraktiker!) erlaubt, blutig zu schröpfen! Das ist aus meiner Sicht, eine wichtige Information in Bezug auf das blutige Schröpfen.

  • Schröpfmassage

Hier wird ein Gleitmittel, wie z.B. ein durchblutungsförderndes Öl auf die zu behandlenden Partien aufgetragen und anschließend mit dem Schröpfkopf massiert.

  • Blitzschröpfen

Beim Blitzschröpfen geht es flott zur Sache. Kaum das das Schröpfglas aufgesetzt wurde, wird es schon wieder entfernt. Das wird oft wiederholt und ist besonders bei Mangelzuständen empfehlenwert.

Wann darf nicht geschröpft werden?

Wie bei jeder Behandlungsmethode gibt es auch Kontraindikationen – also bestimmte Voraussetzungen, wo eine Behandlung nicht durchgeführt werden darf. Beim Schröpfen sind es folgende:

  • Tumore
  • offene Hautstellen
  • Entzündungen
  • Sonnenbrand
  • frische Verletzungen
  • Schwangerschaft
  • Blutgerinnungsstörungen
  • bei Einnahme von ASS, Marcumar o.ä.

Das Schröpfen ist eine spannende und aus meiner Sicht wirksame Methode. Sie kann zudem mit Akupunktur und / oder Moxibustion kombiniert werden. Wenn Du einmal das Schröpfen kennenlernen möchtest, ist unsere Anti-Stress Schröpfmassage „Feuer und Druck“ zu empfehlen.

Wir wünschen Dir einen guten Start in den Montag, eine tolle Woche und wir sagen Dankeschön, dass Du auch in dieser Woche unsere Post gelesen hast! Bis nächste Woche dann?

Eure Praxis Punktuell

Stefan Schultz

Stefan Schultz

Heilpraktiker für Physiotherapie | Physiotherapeut | TCM-Therapeut | Ernährungsberater (TCM)

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