Gua Sha – Die Kunst des Schabens | Montags-Post #23

Nov 2, 2020

Inhaltsverzeichnis

Ni Hao und Guten Morgen!

Die Coronasituation hat uns wieder fest im Griff – insbesondere unsere Emotionen. Um so mehr freut es mich Dir mitteilen zu können, dass der Praxisbetrieb während des Teil-Lockdowns fortgeführt werden kann. Somit können alle geplanten Termine stattfinden und auch neue Termine, sowohl für ästhetische, als auch für heilkundliche Behandlungen vereinbart werden.

In der heutigen Montags-Post #23 möchte ich Dir eine faszinierende Behandlungsmethode vorstellen: Gua Sha.

Sicher hast Du schon einmal einen blauen Fleck – also einen Bluterguss gehabt. Kannst Du Dir vorstellen, dass genau das bei einer Therapie erwünscht ist und erzielt werden soll? Klingt komisch?

So ist es nämlich bei einer Behandlungsform der Traditionell Chinesischen Medizin, die sich Gua Sha nennt. Treten während der Behandlung kleine rote Punkte – Petechien oder flächigere Rötungsmuster – Ekchymose (blauer Fleck) auf, so freut sich jeder Behandler über den Erfolg seiner Anwendung.

Was ist Gua Sha und wie wirkt es?

Gua Sha heißt übersetzt so viel wie „ Schaben“ oder „Kratzen“. Es kann sowohl bei akuten, als auch bei chronischen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Beispiele hierfür sind z.B.

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Fibromyalgie
  • Erkältungen
  • Erschöpfung
  • schmerzende, verspannte Muskulatur
Gua Sha
Jugana Loder de:User:Jugana Loder, Gua Sha, Ausschnitt von Punktuell, CC BY-SA 3.0

Wenn nach einer Behandlung die charakteristischen Hautrötungen auftreten, ist auch meist eine sofortige Besserung für den Patienten zu spüren. Ganz spannend ist ebenfalls die Veränderung des Zungenbefunds nach einer Behandlung. Was die Zunge uns „mitteilen“ kann, kannst Du in der Montags-Post #17 nachlesen.

Gua Sha zählt zu den Ausleitungsverfahren in der TCM.  Überall im Körper, wo der Qi- und Blutfluss blockiert ist, entsteht ein Ungleichgewicht, welches meist Schmerzen verursacht. Verursacht werden können Disharmonien, wie Du schon in der Montags Post #10 gelesen hast, durch den Einfluss sogenannter bioklimatischer pathogener Faktoren wie z.B. Wind oder Kälte. Auch innere pathogene Faktoren oder auch Unfälle (Traumas) können ursächlich sein. Werden diese Blockaden mit Gua Sha gezielt gelöst, entstehen die beschriebenen Hautirritationen, Blut und Qi können wieder fließen und die Schmerzen sind gelindert.

Diese kleinen rötlichen Punkte werden im Chinesischen übrigens als Sha bezeichnet.

Ziel von Gua Sha

Ziel dieser Behandlung ist es Kälte und / oder Wind auszuleiten und Hitze sowie Entzündungen zu reduzieren, Stagnationen zu beeinflussen, also Schmerzen sowohl in tiefen, als auch oberflächlichen Schichten zu lösen.

Auch ohne bestehende Beschwerden kann Gua Sha – rein präventiv – angewendet werden. Durch das Schaben der Meridiane (den sogenannten Leitbahnen) werden Yin, Yang, Qi, Blut und die Funktionskreise harmonisiert und die Lebensenergie “Qi“ optimiert.

Sehr beliebt und angenehm ist auch die Kosmetik Gua Sha. Dabei verzichtet man jedoch auf die Entstehung von roten Punkten, blauen oder roten Flecken.

Wie und wo macht man Gua Sha?

Wie bei jeder Behandlung ist eine Anamnese mit Diagnose zu erheben und der Patient muss über die Behandlung, besonders über die Wirkung auf die Haut, aufgeklärt werden. Auch müssen alle Voraussetzungen abgeklärt sein, denn nicht immer kann und darf Gua Sha angewendet und durchgeführt werden. Mit der Einverständnis des Patienten und des Behandlers kann es nun losgehen.

Gua Sha
2 unterschiedliche Schaber

Mit einem abgerundeten Gegenstand wird, auf der vorher etwas eingeölten Haut, so lange geschabt, bis deutliche Verfärbungen und Petechien auf der Haut entstehen. Der Druck dabei ist mäßig und so an den Patienten angepasst, dass dieser sich wohl fühlt. Es wird immer in die selbe Richtung (vom Kopf weg) behandelt. Anwendung findet Gua Sha häufig an Kopf, Nacken, Schultern, Rücken, Po und an den Extremitäten.

Im übrigen wurde Gua Sha erstmalig vor ca. 700 Jahren erwähnt. Man geht aber davon aus, dass die Methode bereits schon weit früher benutzt wurde. Zum Schaben nahm man damals Gegenstände, die sich im Haushalt fanden, wie z.B ein Porzellan- oder Suppenlöffel. Später nutzte man auch abgerundete Münzen oder Deckel.

Häufig werden die Hörner von Wasserbüffeln genommen. Sie sind hart, zäh und haben abgerundete Kanten. Außerdem findet das Büffelhorn an sich Anwendung bei innerer Hitze und Feuertoxinen im Blut (nach TCM). Auch den Jadesteinen, die sich zum Schaben eignen, wird eine kühlende Wirkung zugeordnet.

Wichtig zu wissen ist, dass, laut meiner Information, die Wasserbüffel für ihre Hörner nicht getötet werden. Erst nach ihrem natürlichen Tod werden die Hörner zu Werkzeugen für die Gua Sha Therapie verarbeitet.

Nach einer Gua Sha Behandlung sollte auf folgendes geachtet werden

Nach einer Behandlung sollte der Patient nicht gleich Duschen oder Baden, sowie kalte Wasseranwendungen für mindestens 24 Stunden meiden. Die bearbeiteten Areale sollten warm gehalten und unbedingt vor Zugluft geschützt werden. Des Weiteren sollte nach einer Behandlung nicht Kaltes gegessen oder getrunken werden. Die Rötungen / Flecken brauchen einige Tage bis sie verschwunden sind. Solang diese Zeichen zu sehen sind, sollte keine weitere Behandlung mit Gua Sha oder Schröpfen erfolgen.

Gua Sha ist eine spannende Form der Behandlung. Ich hoffe, dass ich Dir heute viele Informationen darüber geben konnte. Wenn Du noch fragen dazu hast, dann lass es uns gern wissen. Wir hoffen, dass Du trotz den Teil-Lockdown gut durch diese neue Woche kommst.

Bleibt gesund!

Eure Praxis Punktuell

Susann Baum

Susann Baum

Heilpraktikerin | TCM-Therapeutin | Physiotherapeutin

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